Anne (30): 40 Stunden pro Woche zu arbeiten ist moderne Sklaverei
Freiheit als Luxusprodukt
Anne stellt fest, dass echte Freiheit vor allem einer kleinen Gruppe vorbehalten ist. Menschen mit Vermögen, flexiblen Jobs oder eigenen Unternehmen. “Sie können ihre Zeit einteilen.” Für die meisten Menschen gilt das nicht. “Wenn man zu 40 Stunden Nein sagt, gibt man Einkommen, Sicherheit und Status auf.” Das macht die Entscheidung, weniger zu arbeiten, ihrer Meinung nach nicht wirklich frei. “Es ist Freiheit mit einem Preisschild, das sich viele nicht leisten können.”
Kein Plädoyer für Faulheit
Anne betont, dass ihre Aussage oft missverstanden wird. “Es geht nicht darum, nicht arbeiten zu wollen.” Sie findet Arbeit wichtig, sinnvoll und verbindend. “Aber warum müssen es ausgerechnet 40 Stunden sein?” Ihrer Ansicht nach ist es zu einer heiligen Zahl geworden, an der kaum gerüttelt wird. “Als wäre es ein Naturgesetz.” Sie plädiert für kürzere Arbeitswochen, mehr Flexibilität und dafür, Anwesenheit als Maßstab für Wert loszulassen.
Ein unbequemer Vergleich
Das Wort Sklaverei stößt auf Widerstand, das weiß Anne. “Ich benutze es nicht, um Geschichte zu bagatellisieren,” sagt sie. “Sondern um das Gefühl von mangelnder Autonomie zu beschreiben.” Feststecken in einem System, aus dem man nicht herauskommt, ohne große Konsequenzen. “Dieses Gefühl erkennen viele wieder, auch wenn sie es nicht so zu nennen wagen.”
Am Ende des Gesprächs stellt Anne die Frage, die sie immer häufiger im Flüsterton hört, aber selten laut ausgesprochen: Finden wir es wirklich normal, dass wir den größten Teil unseres Lebens für Arbeit hergeben, oder ist es an der Zeit, neu zu bestimmen, wie viel unserer Zeit wir eigentlich weggeben wollen?